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Oktober, 2014:
Ausgabe #9 ist erschienen


Das Wetter


Schlechtwetter in Hamburg

Noch Mitte Januar 2010 rühmt sich die »Zeit« (14.01.2010 Nr. 03), als erste auf die Übergriffe auf BesucherInnen der Filmvorführung von Claude Lanzmanns »Warum Israel« hingewiesen zu haben, um damit ihre moralische Unbeflecktheit zu beweisen, die es erlaubt, weiterhin Leser und Rowohlt Verlag vor der Veröffentlichung Claude Lanzmanns Autobiographie zu warnen und den darin vermeintlich gescholtenen Nazimitläufer und FU-Berlin-Mitbegründer Edwin Redslob vor weiteren Tatverdächtigungen zu beschützen. Ganz ähnlich funktionierte der Aufschrei der Empörung, der sich mit den Schläger-Methoden der Antisemiten des Internationalen Zentrums »B5«, der »Tierrechtsaktion Nord« und der »Sozialistischen Linken« nicht einverstanden sah. Fast niemand wollte dazu schweigen, dass diese am 25.10.09 im Hamburger Kino »B-Movie« ein Stück Kunst zensiert haben. Schon gar nicht die Pop-Linken, die sich von Diskurszensur besonders bedroht fühlen. Es muss einfach weiterhin möglich sein, wie am 18.01.10 im »Uebel&Gefährlich«, die Diskussionen um Israel zu führen, es also im Angesicht des geladenen Lanzmanns trotzdem möglichst prominent wegzudiskursieren. So übte sich auch die Gruppe »Kritikmaximierung«, deren Filmvorführung im Oktober angegriffen wurde, vor allem im Public Relations Management, in dem sie einen eigenen Aufruf mit linksradikaler Politprominenz unterfütterte, statt sich an der Demo für ihre eigene Vorführung zu beteiligen und schaffte es, zusammen mit dem B-Movie »Warum Israel« erneut hinter den Schmäh-Transparenten der benachbarten Antisemiten aufzuführen, die lieber hängengelassen wurden, um nicht zu »provozieren«. Vom Rest der Linken wurden zwar, im Gegensatz zu einer Demo durch das Schanzenviertel im Jahr 2004, die zu einem ähnlichen Ausbruch des Wahns und den fehlenden Konsequenzen Stellung bezog, auf die Demo am 13.12. diesen Jahres weder Steine geworfen, noch am Ende Jagd auf TeilnehmerInnen gemacht, dafür aber diese auch nicht durch rege Beteiligung unterstützt. So wahrt die Linke den Frieden selbst im Krieg. Ob die »Zeit«, eine andere internationale Zeitung oder vielleicht doch irgendeine Splittergruppe aus Südniedersachsen sich zu Hamburg am israelsolidarischsten verhalten hat, dass entscheidet am Ende immer noch die Redaktion der Zeitschrift »Bahamas« aus Berlin, auch wenn die sich eigentlich schon auf ihren Kandidaten festgelegt hat: die Bullen.

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Platz an der Sonne

Ein »schockierender Vorfall« sondergleichen war dem »Weser Report« vom 6. September eine Titelstory wert: Ehrenamtlicher Fischerei-Aufseher wurde von einem »aggressiven, russisch sprechenden Angler« mit einem Rutenspieß bedroht! Und das ist nur die Spitze des Eisbergs, denn: »Andere Angler haben Angst, ihre Lieblingsplätze an Bremer Gewässern aufzusuchen. Grund sind aggressive ‚russischen Angler'. [...] ‚Die besten Plätze sind in der russischen Hand«‚. Die Angler, die diese Aussagen bestätigen, wollen ihre Namen nicht nennen - wahrscheinlich aus Angst von der Russenmafia mit einem Rutenspieß erstochen zu werden! Nach den Arbeitsplätzen hat der Iwan sich auch noch die Angelplätze unter den Nagel gerissen!

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Mangelnde Geduld

Die Gender-Theoretikerin Judith Butler warnt in ihrem neuen Buch Krieg und Affekt vor der Abschaffung der, die Frau ans islamische Patriarchensystem bindenden, Ganzkörperleine: »Der Verlust der Burka kann eine Erfahrung von Entfremdung und Zwangsverwestlichung mit sich bringen, die Spuren hinterlassen wird.« Die Spuren, fürchtet Butler, könnten »wichtige kulturelle Praktiken außer Kraft« setzen, sich also zersetzend auf die unmittelbare Verstümmelungs- und Steinigungsdrohung auswirken, die hinter dem gehobenen Schleier auf sich warten lassen. Diese Praktiken »kennenzulernen«, also erst einmal tolerierend hinzunehmen, fehle es »uns« lediglich an »Geduld«. Oder aber, sind Folterpraktiken doch unablässig ihrer Location menschenverachtend, des verschleierten Blicks, der die Aufhebung der durch Folter- und Todesangst aufrechterhaltenen Frauenunterdrückung per se als übelimperialistische Verwestlichung und nicht als Befreiung erscheinen lässt.

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Esoterischer Genkapitalismus

Der Chefökonom der Deutschen Bank, Norbert Walter, ist optimistisch: »Der Kapitalismus wird fortdauern« (aus: Zeit Geschichte, Nr. 3. 2009). Und, da ist er sich ganz sicher, basiere er doch nicht auf einer materiellen Grundlage, auf Produktionsmitteln und Produktivkräften, sondern, wie von Geisterhand erschaffen, lediglich »auf dem Gedanken, dass Menschen kreativ sind, dass sie Individuen sind, dass jeder andere Talente hat«, sie also alle auf ihre eigene Weise jeden Scheiß mitzumachen in der Lage sind, auch wenn sie dabei umkommen. Aber, wie nun einmal Leben und Sterben, und auch da ist der Chefökonom sich sicher, so sei auch der Kapitalismus »im menschlichen Erbgut angelegt.« Fragt sich nur, wer als Erstes seine Liaison mit dem Feudalismus für den Kapitalismus aufgab, um dessen Erbanlagen über die ganze Erde zu verstreuen?

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Traditionspflege

Zur SR-Wahl an der Universität Bremen beeindruckt die CDU-Studentenorganisation durch den souveränen Gebrauch der Staatssprache: »Der RCDS ist mit seiner liberalen, konservativen sowie seriösen und demokratischen Orientierung«, nein, nicht bloß liberal und konservativ, sowie demokratisch - das kann ja jeder, sondern auch noch seriös - »zudem traditionell Deutschlands größte, älteste und bedeutendste Studentenorganisation.« Dank der Nachwuchselite wissen wir jetzt, dass es möglich ist, traditionell älteste zu sein.

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Hart aber gerecht

Wo gibt es auf der Welt noch Gerechtigkeit? Die »Junge Welt« weiß es. Und zwar aus einer zuverlässigen Quelle: Am 03.03.2009 hat das Blatt Boris Bratina von der »Volksbewegung Serbien« interviewt und folgendes hat der serbische Philosophiedozent verkündet: »Wir wollen den Menschen zeigen, dass das wahre Serbien nicht isoliert ist, sondern die Möglichkeit hat, Teil der wachsenden Familie von Ländern wie Rußland und China bis zu Venezuela und Bolivien zu sein, die für eine gerechte Welt stehen.« Die Gerechtigkeit um die es wohl geht, ist eine ausgleichende: Die Arbeitsbedingungen im chinesischen Staatskapitalismus und der kolossale Sozialabbau in Russland lassen sich durch diplomatische Allianzen und Waffendeals mit Chávez ausgleichen.

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Hundeelend

Die Einladung zum »Create Anarchy - Anarchist Sommercamp 09« in Niederösterreich verweist auf eine neue Inspirationsquelle für das anarchistische Zusammenleben: »Hunde sind für viele eine Bereicherung, und es fänden sich wohl Wege, auch von ihnen anarchistische Umgänge zu erlernen.« Demnächst wird man wohl öfters Anarchos sehen, die sich zur Begrüßung am Hintern beschnuppern oder jeden Laternenmast markieren.

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Integriert

Das Kulturzentrum Schlachthof ist ein anerkannter Freiraum - für mutige junge Menschen, die unkonventionelle und rebellische Forderungen stellen, wie z.B.: »Zeichen setzen - wählen gehen«. Das zumindest war das Motto der »Europaparty«, mit dem die Studiengangsvertretung der »Integrierten Europastudien« am 4.06.09 vor der Europawahl vorglühte. Und zwar im Magazinkeller - mit »europäischen Biersorten« und dazu passend mit »europäischer Musik«.

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Beweis: Nicht kiffen macht blöde

Das neue Nationalbum »Dis Wo Ich Wo herkomm« von Samy Deluxe zeigt den Rapper von seiner »vorbildlich« selbstreflexiven und schmollend nachdenklichen Seite, die den einst stets dichtgedröhnten THC-Liebhaber als moralischen und Deutschland streichelnden Zeigefinger erscheinen lässt: »Dies Land hat mir etwas gegeben, ich will was zurückgeben«. Seiner Hingezogenheit zur Nation mit diesem Dankesverlangen noch nicht genug Ausdruck verliehen, greift er zu deren weiteren Verlautbarung beim Song »Vatertag« in die Mottenkiste des Fetischs. Da sein leiblicher Vater ihn und seine Mutter im Stich gelassen habe, klagt er wehleidig an, nie von dessen starker Hand gelernt zu haben, »wie man zum Mann wird« oder »all' diesen Verlockungen«, die das Dasein als Berühmtheit mit sich bringt, zu »widerstehn'.« Aber auch hier erscheint ihm das patriarchalische Autorität und konservatives Familienbild gelobende Treuebekenntnis noch nicht genug der Zurschaustellung seiner ernüchterungsbedingten Umnachtung zu sein. So beanstandet er, dass neben dem fehlenden leiblichen Vater »nich' einmal Vater Staat«, dessen »echten Namen« er nicht kennt und von dem er nicht weiß, »in welcher Partei er is'«, ihm in seiner verlassenen Lage zur Seite stand. Damit bringt er gekonnt die faschistoide Bedürfnislage der ihm liebgewordenen Nation auf den Punkt, die in Krisenzeiten sich nur über die fehlende starke Hand des Staates aber nicht über die Verhältnisse, die sie verlangen macht, aufzuregen imstande ist. Davon nicht distanziert, schliddert er konsequent in die vollendente Verblendung: »es war kein Vater da, nich' einmal Vater Staat, nich' einmal mein Vater war da, deshalb schau' ich in den Himmel wo ich den Vater frag: ich weiß nich' wen ich fragen soll, deshalb frag ich dich, Vater du bist meine letzte Hoffnung, lass mich nich' im Stich, Vater ich brauche dein Rat« - Hätte er doch, statt des Kiffens, das Rappen aufgegeben; er wäre ein besseres »Vorbild« geworden.

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Transzendentale Geschichtsrevision

Die Antwort auf die Frage, »War die DDR ein Unrechtsstaat?«(Faz, 15.6.09),,fällt in den meisten Fällen - bei der FAZ in allen - positiv aus, indem die DDR als dem NS-Regime wesensgleich dargestellt wird. Das dabei nicht klein zu kriegende Problem, welches den direkten Vergleich erschwert, stellt sich, man wundert sich, als Vernichtungskrieg und Holocaust heraus. Gerd Roellecke von der FAZ nimmt sich dem Problem an: Den »Vergleich mit der Begründung zurückzuweisen, die DDR habe weder Juden verfolgt noch einen Weltkrieg entfesselt« sei »ungereimt«. Denn, der starken Behauptung folgt ihre noch stärkere Begründung, die DDR hatte nur nach dem »Massenmord« und dem zweiten Weltkrieg »gar nicht mehr die Möglichkeit, Juden zu verfolgen oder einen Krieg zu beginnen.« Beim Vergleich von DDR und NS-Regime bedarf es also gar nicht mehr der Erwähnung des wirklichen Holocausts und Vernichtungskrieges des einen, der potentielle der anderen reicht zur genüge. Dabei werden diese lediglich zu »Folgen des NS-Regimes«, denen die eigentliche Abscheulichkeit voraus ging: »das Fehlen aller rechtlichen Sicherungen gegen den Missbrauch politischer Macht.« Hierin seien DDR und NS-Regime wesensverwandt. - Der Historiker wird zum Zauberer und zieht einen Holocaust, der lediglich von einigen politische Macht missbrauchenden Parteimitgliedern begangen wurde, und eine DDR aus dem magischen Hut der Geschichtsrevision, die eine nationalsozialistische war.

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Unschuldsgefühle
Die Pop-Band Silbermond hat neue Maßstäbe für die politische Kunst gesetzt, und zwar mit ihrem Video »Ich bereu nichts« zu einem Song von dem Album mit nicht weniger aussagekräftigem Titel »Nichts passiert«. In dem Video lässt ein alter Mann sein Leben Revue passieren, während die eindringliche Stimme Zeilen wie diese singt: »Wir habens beide gewusst und doch verdrängt bis zum Schluss,« was natürlich noch überhaupt nichts bedeutet - verdrängt haben sie lediglich, »dass man die Zeit nicht besiegen kann.«. Darum: »Wir haben immer gekämpft und kein Sandkorn verschenkt / Und jetzt stehn wir hier.« Wenn dann aber pünktlich zum Refrain Wehrmachtssoldaten auftauchen, die ihre verwundeten Kammeraden heroisch durch das Schlachtfeld schleppen und dazu Zeilen ertönen, wie: »Und ich bereue nichts, / Nicht einen Schritt, nicht einen Augenblick davon. / Auch wenn es verloren ist,/ Auch wenn es für uns nicht reicht / Es war doch nichts umsonst. / Bereue nichts davon,/ Nichts davon« - dann weiß man, dass »Landser« und »Störkraft« endgültig obsolet geworden sind. Ein Land mit solchem Mainstream braucht keinen »Rechtsrock« mehr.Wer dies für eine Überinterpretation hält, kann sich gerne ausmalen, wie die Reaktionen wären, wenn zu diesem Text die Bilder von DDR-Grenztruppen im Einsatz gezeigt wären.

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Zwei oder drei Dinge, die wir von euch wissen

»Libertad para todos« - das Medium »Thüringer AnarchistInnen« versucht in der Ausgabe vom April 2009 sein Wissen über die Antideutschen zusammenzufassen: »Jede_r der sich aktiv an linksradikaler Politik beteiligt oder sich mit ihr auseinandersetzt wird früher oder später mit dem Phänomen der Antideutschen konfrontiert werden. Meist zu erst (sic!) in Form von israelischen Nationalfahnen oder den »Stars and Stripes« die von Antideutschen auf Demonstrationen getragen werden oder aber durch Parolen wie »USA hilf uns doch Deutschland gibt es immer noch« welche im krassen Gegensatz zu dem antinationalistischen Selbstverständnis der Anarchist_innen und Antiimps stehen.« Das lässt diverse Interpretationen zu: 1. Antiimperialisten, also die Freunde der »nationalen Befreiungsbewegungen« sind irgendwie auch antinational; 2. Anarchisten, also Feinde der Staatlichkeit teilen ihr Selbstverständnis mit den Befürwortern von neuen Staatsgründungen.

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Einsicht in die Notwendigkeit

Dem Einladungsflyer für die Premiere des Films Filmpremiere »Uniform, Panzer, Kokon - Militärdienst in Israel« entstammt der folgende Satz: »Dabei wird klar, dass die ständige Notwendigkeit militärischer Verteidigung den israelischen Alltag bestimmt, ihn aber auch überhaupt erst ermöglicht.« Beim Lesen des Satzes wird klar, dass die Notwendigkeit - nicht die Verteidigung - den Alltag ermöglicht. Ein freudischer Verschreibsel, an dem nicht mal die härtesten Falken der gegenwärtigen israelischen Regierung ihre Freude hätten.

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Postalische Nächstenliebe

Ein gewisser Dr. Jakob Cornides schrieb am 9. September 2009 in einem offenen Brief an die österreichische Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek, dass ein »Vergleich zwischen Holocaust und Abtreibung, der die historischen Tatsachen auf den Kopf stellt und das Andenken der Opfer in leichtfertiger Weise missbraucht« sich verbietet. Und das aus drei Gründen: »1. Wegen der Opferzahl«, »2. Wegen der Heimtücke der Täter, bzw. der Wehrlosigkeit der Opfer« und »3. Wegen der Mitverantwortlichkeit der Allgemeinheit«. Beim ersten Punkt weist der promovierte Briefschreiber auf den Umstand hin, dass »jedes Jahr [...] der Abtreibung sieben-bis achtmal soviel Menschen zum Opfer [fallen] als dem Holocaust in drei Jahren«. Der nächste zieht aus dem ersten Punkt folgenden Schluss: »Die Opfer des Holocaust waren wehrlos, aber die Opfer der Abtreibung sind noch viel wehrloser«, weil diese sich nicht der »Ermordung durch Flucht entziehen« könnten. Abgesehen vom sprachlichen weiß der Autor mit einem weiteren Tabubruch zu provozieren: Der Mutterleib, das moderne, weitaus effektivere KZ, betrieben vom feministischen Selbstbestimmungswahn. Wie kann es dazu kommen? Der Autor weiß es: Wurde in Deutschland »das Faktum der massenweisen Ermordung in Gaskammern der Öffentlichkeit nicht mitgeteilt und war den breitesten Bevölkerungskreisen daher unbekannt«, die Juden also von sich selbst vernichtet, so wird das Verbrechen Abtreibung von jedem Menschen begangen, weil alle ihm mit »Desinteresse und Gleichgültigkeit« begegneten. Deshalb, und hiermit erreicht Dr. Cornides den vorläufigen Höhepunkt religiösen Wahns, auch wenn die Frage nach der Täterschaft im NS letztlich offen bleibe, würde durch den »Vergleich mit dem Holocaust« das wahre »Unrecht der Abtreibung verharmlost«.

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Wasser predigen

Der Künstler Michael Weisser macht im Bremer »Kolonialelefanten« eine Ausstellung, die sich um »Rotwein, Wasser und Coca-Cola« dreht. Der Zusammenhang ist naheliegend, wie Weisser in einem taz-Interview erläutert: »Ich habe versucht, den Kolonialismus in Namibia in der Krypta im Elefanten ästhetisch zu thematisieren. Der Rotwein steht für das Blut Christi, denn die frühen Missionare haben bereits im 18. Jahrhundert den Kontakt zwischen Europa und Namibia vorbereitet. Das Wasser ist das Ur-Getränk der dortigen Bevölkerung - und mittlerweile hat Coca-Cola stillschweigend das Land »besetzt«.« Dass die deutschen Kolonisatoren die kolonisierte Bevölkerung massenhaft in die Wüste zum verdursten und verhungern trieben, ist halt nur ein Teil der langen Kolonialsierungsgeschichte, die damit endet, dass das »Ur-Getränk« (wahrscheinlich wurde es noch zu der Ur-Suppe getrunken) von der bösen imperialistischen Coca-Cola verdrängt wird. Da fragt schon mal die taz, ob es »eine moderne Form der Kolonialisierung« sei? Die Antwort fällt eindeutig aus: »Ja, so sehe ich das. Als ich 2005 in Namibia war, sah ich selbst im entferntesten Busch Coca-Cola und Big-Macs.« (taz, 11.08.2009) Das Denkmal für die Opfer des deutschen Hunger-Genozides ist selbstverständlich perfekt geeignet, um sich über die »Besetzung« des Landes durch billiges amerikanisches Essen aufzuregen.

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Fakten, Fakten

Eine Zeitung, die auf ihre Entstehung aus der linken Bewegung unheimlich stolz ist, kennt sich in der Geschichte der Linken aus: »In Berlin gehen sie bei Theatermachern der DDR ein und aus, für die der Traum vom Kommunismus in jenem Jahr starb, als das DKP-Verbot im Westen aufgehoben wurde und Nords Eltern eintraten: 1968, im Jahr des Prager Frühlings.« (taz, 14.04.2009) Genauer gesagt wurde die DKP 1969 (nicht 1968) gegründet (nicht verboten). Verboten ist sie bis heute nicht. Verboten wurde 1956 die KPD und dieses Verbot ist bis heute nicht aufgehoben.


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