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Oktober, 2014:
Ausgabe #9 ist erschienen


Das Wetter


Klare Forderungen, friedliche Mittel
Ein Internetprojekt mit dem ambitionierten Namen »Linke Zeitung« bietet Platz für viele unbequeme Unwahrheiten. So schrieb ein Elias Davidsson am 02.12.2008: In den letzten Jahren wurden wir über allerlei »Terror«-Anschläge unterrichtet - u.a. in New York, London, Madrid, Bali und Casablanca - deren Ziele vage oder ungeklärt blieben, deren Urheber im Schatten blieben oder laut Medienberichten bei den Anschlägen starben, und bei denen keine besondere Forderungen gestellt wurden. Echte Terroristen dagegen, z.B. in Palästina/Israel bekennen sich zur Tat, werden von der Bevölkerung als Märtyrer geehrt und vertreten klare politische Forderungen, die von der Bevölkerung auch mit friedlichen Mitteln vertreten werden. Ja, so sind die Terroristen, die diesen Titel auch verdienen. Die klaren politischen Forderungen - wie zum Beispiel die Vernichtung Israels samt seiner jüdischen Bevölkerung - werden von der Bevölkerung, die von Hamas-Märtyrern regiert wird, auch und gerade mit friedlichen Mitteln vertreten!

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Das Böse im Menschen
Erich Wiedemann untersucht in »Cicero« 10/2008 ein Rätsel, das seit seit Ewigkeiten die Menschheit quält: Woher kommt der Lustgewinn beim Töten? Man nehme z.B. Ernest Hemingway - Furchtbares erfährt man von diesem Nobelpreisträger: Insgesamt habe er während des Zweiten Weltkriegs 122 Deutsche getötet. Da ist schon die Frage angebracht: Ist der bedeutendste amerikanische Schriftsteller des 20. Jahrhunderts ein Serienkiller? Aber bestimmt, denn: Pardon wurde nicht gegeben. In einem Brief an seinen amerikanischen Verleger Charles Scribner schilderte Hemingway, wie er nach dem alliierten Einmarsch in Paris einen gefangenen SS-Mann umgelegt habe. Ja, jetzt kommt es an Tageslicht! Schlimm war der Zweite Weltkrieg! Für die gefangenen SS-Leute. Die wahren Gründe für Ernest Hemingways verstörende Terminator-Allüren sind umstritten. Vor allem für die »Cicero«-Redaktion, die diese im Alkoholkonsum und in der schweren Kindheit des Schriftstellers, aber nicht in den Taten der SS sucht.

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Früh krümmt sich, was ein Haken(kreuz) werden will
Die »Kieler Nachrichten« vom 02.12.2008 melden: Rechte Sprüche in der Klasse: Broschüre soll Lehrern helfen. Nein, nicht welche zu machen, sondern die der eigenen Schutzbefohlenen konstruktiv aber bestimmt zu kontern. Zum Beispiel so: Andreas Leimbach dreht den Spieß auch gerne mal um. »Ich frage dann: Wie könnt ihr für Zucht und Ordnung sein, wenn ihr es morgens nicht mal schafft, pünktlich aufzustehen?«

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Folter im Theater Bremen
Tiefe Einblicke in die Frage »was deutsch ist« brachte die Veranstaltung »Bremer im Gespräch« Anfang Dezember (7.12.08) im Theater Bremen, bei dem der ehemalige Guantanamo-Häftling Murat Kurnaz und dessen Anwalt Bernhard Docke vom Intendanten Hans-Joachim Frey verhört wurden. Gleich in der Einleitung stellte Frey mit der Weichspüler-Stimme eines Marketing-Täters klar, dass es kein Streitgespräch und kein politisches, sondern ein ganz menschliches Gespräch werden sollte, bei dem es um die ganz menschlichen Dinge gehen sollte - vor allem wohl aber um Werbung für das Stück »Gegen die Wand« (»Jetzt auch als Oper!«), wofür die deutsch-türkische Werbeikone Murat Kurnaz mit seinen fünf Jahren Foltererfahrung ja gerade zu prädestiniert erscheint (Ich fühl' mich ein bisschen als Deutscher und ein bisschen als Türke). Nachdem durch die peinlich langweiligen Fragen des Intendanten dann marketingtechnisch herausgekitzelt wurde, dass sich Murat Kurnaz trotz aller Identitätsverwirrung doch immerhin eindeutig als Bremer  fühlt - und nicht, wie fälschlicher Weise von Frey angenommen als überzeugter Islamist - erreichte das Gespräch seinen überraschenden Höhepunkt, als Murat Kurnaz dem Intendanten widersprach und ihn aufklärte, dass Guantanamo durchaus nicht mit Auschwitz zu vergleichen sei, da es sich im einen Fall um Investigation und das Herauspressen von Beweisen und Geständnissen und im anderen Fall um Vernichtung handelt. So kann nach dem Gespräch mit Intendant Hans-Joachim Frey nun unzweifelhaft festgestellt werden, dass die Amis eindeutig den Falschen erwischt haben ...

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Definitionsmacht des Volkes
»Cicero« befragt in Ausgabe 10/2008 Nina Hoss zur ihrem Film »Anonyma - Eine Frau in Berlin«: Hat der Film eine politische Message? Was soll man darauf antworten? »Nein, wir drehten diesen Böse-Russen-deutsche-Opfer-Schinken nur so zum Spaß!«? Natürlich nicht! Es geht schließlich um ein ernstes Thema: das Volk! Ich finde schon, dass der Film deutlich macht, dass Vergewaltigung ein Kriegsmittel war und ist, also ein politisches Statement, und dass das nicht nur aus einem Wahn heraus passiert. Durch solche Massenvergewaltigungen wird ein ganzes Volk gedemütigt. Dieses Thema läuft ja bisher doch immer noch eher unter »Kollateralschaden«. Den schlimmsten Schaden trägt der Volkskörper davon, nicht etwa die Einzelnen. In diesem Punkt ist sich die deutsche Propaganda von 1945 mit der von 2008 einig.

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Marxismus heute: Hauptsache fehlerfreundlich
Elmar Altvater wendet sich in der Dezember-Sonderausgabe von »Critica - Semesterzeitung von Die Linke.SDS« gegen die Planwirtschaft: In der Natur gibt es keine zentral geplanten Prozesse, sondern nur spontane Abläufe. Das wichtigste Prinzip der Evolution ist das der Redundanz, daher auch der Fehlerfreundlichkeit. Der Blick in die natürlichen Abläufe öffnet die Perspektive in eine Welt der Vielfalt, wie sie auch in gesellschaftlichen Beziehungen existieren kann. Dank dem alvaterischen Marxismus-Biologismus wissen wir endlich, warum die Wirtschaft des Ostblocks zugrunde ging: zu wenig Fehler!

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Passende Beispiele
Mathias Greffrath kolumniert in der »taz« vom 06.01.2009: Das Schockierende an Harald Welzers Buch »Klimakriege« war nicht der Blick auf die Folgen der Erwärmung (die sind schon lange durchgerechnet). Sondern die Erinnerung daran, wie schnell sich die zivilisatorischen Mindestnormen einer ganzen Gesellschaft in Zeiten ökonomischer Krisen und politischer Spannungen ins Barbarische verschieben können. Beispiel Serbien, Beispiel Arisierung... Und zwar genau in dieser Reihenfolge! ... - um von Schlimmerem nicht zu reden. Schlimmeres? Er meint damit doch nicht etwa die Autobahnen!

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Fremdbeben, trotz Zäunen und Grenzkontrollen!
Als wenn es die Deutschen nicht schon längst wüssten, wurde dem einfachen Publikum in der »Tagesschau« am 6. April das nächtliche Erdbeben in Italien noch mal einfacher erklärt, da »Verschiebung von Kontinentalplatten« vermutlich zu viele Fremdwörter enthielt: Einfach gesagt, der Afrikanische Kontinent bewegt sich immer mehr nach Europa.

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Einheit der Bewegung
Wenn der eine die »Triple Opression«-Theorie über den grünen Klee lobt, während der andere empört feststellt: Mit Staatsknete wird Multikulti, Gendermainstreaming und die schwule Subkultur gefördert, während die Proleten auf Hartz IV gesetzt werden. Wenn es dem einen um die Integration feministischer Ansprüche als gleichwertige Zielvorgabe geht, der andere aber über das Blabla der postkommunistischen Warmduscher: Biopolitik, Gender, Queerköpfereien und Multikulti schimpft. Wenn der eine schon mal die Talkshow von Arabella Kiesbauer als antifaschistische Aktion lobte und der andere mit den Rechten eine »Volksinitiative« gegen »Heuschrecken« aufbauen will: Wie werden die beiden sich wohl begegnen? Na, so, dass der eine die Veranstaltung  des anderen moderiert! Lesung, Diskussion und Autogrammstunde mit Jürgen Elsässer - Bürgerhaus Vegesack, 30.01.2009. Gastgeberin ist die Bürgerschaftsabgeordnete Inga Nitz; die Diskussionsleitung übernimmt Christoph Spehr, Landessprecher der LINKEN in Bremen.

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Restedenken
Politik findet ja nicht im luftleeren Raum Staat. Sie hat ihre Voraussetzungen. Die linke Politik sowieso. Die wichtigste davon ist natürlich die Streetcredibility! Ohne die geht es nicht, wie dem Extrablatt jüngst in einer Erklärung einer Gruppe namens »fem.d.isco« mitgeteilt wurde: Hört auf antideutsche Politik für die nächsten Jahre in dieser Stadt zu verunmöglichen. Ihr schafft es nämlich, uns als einen Haufen von Antifeminist_innen dastehen zu lassen. Das mag für Euch gelten, für uns nicht (http://appell-an-die-restvernunft.blogspot.com/). Mit anderen Worten: »Hört auf mit euren Argumenten unser cooles Label ‚feministisch und antideutsch' kaputtzudiskutieren!«

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Wenn das Glücksversprechen Amok läuft
Wonach fragen die Medien, wenn mal wieder ein Jugendlicher Amoklaufen war? Natürlich danach, was für Musik er hörte, welche Computerspiele er spielte, zu welchen Waffen er Zugang hatte. Sprich: danach, was man noch alles verbieten könnte. Aber es gibt in der hiesigen Medienlandschaft eine glückliche Ausnahme: die »Bild«! Gleich am 11.03.2009, dem Tag des Amoklaufs von Winnenden, stellte das Springerblatt einem Psychologen  Dr. Elmar Basse aus Hamburg die richtige Frage: Ist die Gesellschaft schuld? Und, man glaubt es kaum, sie ist es wirklich. Zumindest teilweise: Die trägt eine Teilschuld. Die Anforderungen der Gesellschaft an ihre Mitmenschen haben sich geändert. Beispielsweise gab es in den 50er-Jahren andere soziale Normen. Individuelles Glück war nicht so wichtig, man hatte weniger Erwartungen ans Leben und akzeptierte das enge Normenkorsett und die gefügte Ordnung. Heute ist dieses Normengefüge verloren gegangen. Wir haben den Wunsch nach individueller Aufmerksamkeit. Wir denken »Glück steht mir zu. Ich hab ein Recht darauf, glücklich zu sein. Und wenn mir die Welt das nicht gewährt, dann ist sie schuld daran.« Daraus entwickelt sich Hass und Frustration, die sich zu einem gefährlichen Maß anstauen kann. Zumindest gab es im Jahrzehnt vor den 50ern dafür Ventile, die nicht so schädlich für den Zusammenhalt der Gemeinschaft waren wie so ein individualistischer Amoklauf in einer kalten Ich-Gesellschaft ohne Normengefüge!

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Konzept statt Guerilla
Kann man mit einem Logo, welches an ein Symbol einer verfassungsfeindlichen Organisation anlehnt, in die Handwerkskammer Bremen aufgenommen werden? eigenbetrieb und baunetz »dekonstruktion.com«, sich selbst in RAF-Kleinschreibung darstellend, beweist, daß es geht. Das Motto der Renovierungs-Tupamaros lautet: abbrechen & aufbauen, denn seit geschichte aufgeschrieben wird, besteht der lauf der welt im entstehen und vergehen, sprich: abbrechen & aufbauen. dekonstruktion.com hat sich zum ziel gesetzt dieser historischen gesetzmässigkeit nicht zu widersprechen. Wie bei den großen ästhetischen Vorbildern will man die Geschichte auf seiner Seite wissen. Ja, das ist das verbliebene Erbe der RAF - ein Image, dem etwas jung-dynamisches, hip-rebellisches und kreativ-erfinderisches anheftet. Eben Kardinaltugenden junger Selbstständiger. Dafür also war Ulrike Meinhof im Toten Trakt.

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Jobroutine
Die »FAZ« vom 12.03. fasst ein Statement  des chinesischen Regierungschefs zusammen: Wen Jiabao: Der Dalai Lama lügt. Das sollten die Pekinger Genossen dem ozeangleichen Lehrer allerdings nicht übelnehmen, als Anführer einer Religion macht er das schließlich beruflich.


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